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Stamm Hagen von Tronje

Rumäniengroßfahrt 06.08.2001 - 28.08.2001

1. + 2. Tag, Montag + Dienstag, den 06. - 07. August 2001, Anfahrt und andere Widrigkeiten

Am 6. 8. 01 trafen wir uns um 20 Uhr vor dem Reisezentrum am Hauptbahnhof. Hierbei sei anzumerken, daß sowohl Momo als auch Bongo ziemlich pünktlich waren. Kurze Zeit später machten wir uns mit unseren viel zu schweren Rucksäcken und ganzen Taschen voller Proviant zum Gleis 14% auf, wo schon sehr bald der Euro-Night (Nachtzug) einfuhr. Mit Erreichen des Abteiles, das zu unserem Ärger kein zu öffnendes Fenster besaß, bemerkten wir einen Ruck und der Zug startete so schnell, daß die Möglichkeit, der Zuhausegebliebenen ein letztes Mal zu winken, fast nicht gegeben war. Schon bald aßen wir zu Abend und hörten von Momo die ersten drei Kapitel aus "Dracula". So verging der Abend. Als wir dachten, daß es gut wäre, noch etwas zu schlafen, machten wir uns daran noch etwas Ruhe zu kriegen. Wie sich herausstellte, war es zumindest für mich sehr schwer etwas zu schlafen, da Jannik und Bongo es so sehr auf den Platz, auf dem ich lag, abgesehen hatten, daß ich die meiste Zeit wach war. Als wir in Wien aus dem Zug stiegen, hatten wir eine gute Stunde Aufenthalt bevor es weiter nach Budapest ging. Dort brachten wir unser Gepäck bei der Gepäckaufbewahrung unter und ließen uns von Momo das extrem heiße Budapest zeigen. Nachdem wir stundenlang durch die Stadt wanderten, aßen wir dann noch ein Eis und setzten uns dann für einige Zeit an die Donau, von wo wir die Sonne langsam hinter der Stdt untergehen sahen. Später aßen wir am Bahnhof zu Abend und stiegen in den Zug. Von einigen Störungen durch Schaffner, Zöllner und anderem Gewusel verlief die Nacht ziemlich schläfrig.

Stetson

3. Tag, Mittwoch der 08. August 2001, (babada babada bum:) "Mit einem Taxi nach Pra-id"

Nachdem in der Nacht stündlich irgendwelche Schaffner oder Beamte unseren Schlaf gestört hatten, waren wir am Morgen ziemlich gerädert. Die Zeitumstellung sorgte für einige Verwirrung, und es ist Timm zu verdanken, daß wir nicht eine Stunde zu lange geschlafen haben. Weil es an den Bahnhöfen keine Schilder gibt, mußten wir jeweils jemanden fragen. Gut, daß wir es taten, denn sonst wären wir wiederum beinahe in Medias ausgestiegen. Trotz unserer Müdigkeit und der verschiedentlichen Versuche des Schicksals, uns in Verwirrung zu stürzen, standen wir schließlich irgendwann auf dem Bahnsteig von Sighisoara. Zuerst gingen wir zum direkt nebenan gelegenen Busbahnhof, in der Hoffnung, einen Bus in Richtung Karpaten zu erwischen. Allerdings waren die Langstreckenbusse alle schon am frühen Morgen gefahren, und jetzt war später Vormittag. In der Station war aber auch das Büro eines Taxi-Unternehmens, wo wir schon einmal Preise für Langstrecken erfragten. Danach ging aber erstmal eine Delegation in die Stadt. Lukas, Jonathan und ich überquerten das Flüßchen und näherten uns dem alten Stadtkern, der eindrucksvoll auf einem Hügel hockt und zum Besichtigen einlädt. Dafür war aber diesmal leider keine Zeit. Wir suchten am Fuße des Hügels das "moderne" Stadtzentrum auf. Dort verglichen wir die Kurse bei verschiedenen Wechselstuben. In die Bank wollte man uns gar nicht erst hereinlassen. Bei der Wechselstube mit dem besten Kurs wollten wir dann tauschen, mußten aber erst eine Viertelstunde warten - weil das Geld alle war... Dann tauschten wir eine Handvoll DM um und waren anschließend Multimillionäre. Cool! Danach kauften wir noch ein paar Briefmarken und fragten in zwei Buchläden mit Händen und Füßen nach Landkarten - vergebens. Wieder zurück bei den anderen hielten wir Kriegsrat und beschlossen, unser Glück mit den Taxis zu versuchen. Als Ziel suchten wir uns den kleinen Ort Praid südöstlich von Sovata aus. Von dort aus wollten wir dann in die Berge aufbrechen. Gesagt, getan: zwei Taxis angeheuert, mit Sack und Pack vollgeladen und losgedüst. Für die etwas halsbrecherische Fahrweise wurden wir durch die Gegenwart von "Fräulein Rosa", der komplett in Rosa gekleideten und wie für's abendliche Ausgehen aufgetakelte Freundin des einen Fahrers, entschädigt. Nach etwas über einer Stunde Fahrt weckte man mich, um mich über unsere Ankunft in Praid in Kenntnis zu setzen. Wir luden uns und unseren Kram aus, bedankten und verabschiedeten uns. Auch von Fräulein Rosa. Taxi-Transfer auf Großfahrt. Schon nicht schlecht! Hat aber auch die Kleinigkeit von einer knappen Million gekostet... In Praid kauften wir zu essen, was es so gab: eine Wassermelone, drei Auberginen, ein Kilo Paprika, ein paar Nudeln und etwas Tomatenmark. Die Melone verputzten wir und machten uns dann auf die Socken Richtung Berge. Schon nach wenigen Metern merkten insbesondere die betagteren 30 Prozent unserer Reisegruppe, daß Rucksäcke doch verteufelt schwer sein können. Außerdem war es ziemlich warm. Wir legten also die eine oder andere Pause ein und suchten uns schon nach etwa 4 km einen Lagerplatz. Und der ist echt schnuckelig: links oberhalb der Straße gelegen, auf der schönen grünen Wiese, mit toller Aussicht. Und unterhalb der Straße ist ein kleines Flüßchen! Dort sprang das Volk hinein, während Bongo, Jonathan und ich die Kohte aufbauten, Feuer machten und das Essen vorbereiteten. Die "Bader" gingen dann Wasser holen, und nach ihrer Rückkehr brutzelte dann bald das Essen auf dem Feuer: Spaghetti mit Auberginen-Paprika-Knoblauch-Tomatenmark-Brühwürfelsauce. Nachdem wir uns vollgefuttert hatten, sangen wir noch ein bißchen, guckten Sterne an, kochten einen Tee und hörten mit größer werdendem Schrecken die Berichte aus dem Tagebuch des Jonathan Harker über seine Erlebnisse auf Schloß Dracula. Gegen Mitternacht krochen wir dann in die Schlafsäcke - auf diesen Moment hatten wir uns seit drei Tagen gefreut!

Momo

4. Tag, Donnerstag der 09. August 2001, Der verfrühte Waschtag

Es wird warm. Der Schlafsack, der bei der Kühle des Abends mich noch gewärmt hatte, wird langsam unangenehm warm. Also raus. Es ist 8:00 Uhr und schon richtig warm. Also nehme ich mir meinen Rucksack vor und sortiere die entbehrlichen Sachen aus. Dabei sieht mich der Alte vom Vortag, der uns quasi die Erlaubnis zum Zelten gegeben hatte, und winkt mich zu sich. Er bietet mir gleich seinen Vergorenen (Cidre oder Kefir mit Erdbeeraroma) an. Nach ein bißchen Erzählung von ihm (ich kann kein Rumänisch!) ziehe ich wieder los und wasch mich, ein paar Sachen von mir, und wir frühstücken. Der Nachmittag beginnt mit der Vernichtung der mitgebrachten Süßigkeiten. Lukas und ich gehen runter ins Städtchen, gucken die kleinen Krämergeschäfte an, kaufen ein und gehen zur Post. Der Postschalter hat natürlich zu. Um 15:30! Es gibt nur noch eine Frau mit einer altertümlichen Maschine die wohl die handvermittelten Gespräche herstellt. Also gehen wir wieder zurück zum Lagerplatz und kaufen auf dem Weg noch eine Zahnbürste für Lukas und genehmigen uns eine Brause. Währenddessen blieben Momo und Jannik beim Lagerplatz und John Boy und Timm (Torf) holten Wasser. Wir kochen das mitgebrachte Gemüse und den Reis. Abends: Momo liest wieder aus Dracula vor, wobei er erstmal die Hälfte vom Vortag wiederholen muß, weil die Hälfte von uns frühzeitig eingeschlafen ist. So, nun ist es langsam zu dunkel zum Weiterschreiben. Vielleicht kann ich ja irgendwann noch was nachtragen.

Bongo

5. Tag, Freitag der 10. August 2001, "Kohte oder nicht Kohte?"

Zu früh zum Aufstehen - zu unbequem, um liegen zu bleiben. Nach kurzem Abwägen der Vor- und Nachteile vom Aufstehen oder Liegenbleiben dann der Entschluß: doch aufstehen! Mein Rücken schmerzte, aber egal. Nach einer ausführlichen Waschzeremonie (gilt gleichermaßen für uns selbst, wie für unsere Koschis) in dem rauschenden Gebirgsbach begaben wir uns dann zu unserem schattigen Frühstücksplatz. Die letzten Hamburger Vorräte fielen dem Frühstück zum Opfer. Die Sachen waren schnell gepackt, so daß es gegen 11:00 Uhr dann losgehen konnte. Erster Etappensieg: die Wasserstelle, wo wir schon am Vortag Wasser geholt hatten. Dort gab es einige kleine Erfrischungsaktionen, und die Trinkflaschen wurden aufgefüllt. Bei brütender Mittagshitze wanderten wir dann mit einigen mehr oder weniger großen Pausen bis zur nächsten Wasserstelle durch. An dieser legten wir eine kurze Brotzeit ein, die es uns deutlich leichter machte, den Rest der insgesamt 11 km - Etappe zu schaffen. Als es Zeit wurde, nach einem Lagerplatz Ausschau zu halten, mußten wir erkennen, daß das Gelände hier sehr uneben war, und zu beiden Seiten stark anstieg bzw. abfiel. Da es immer später wurde, und die Erschöpfung immer mehr zunahm, gingen wir dann schließlich einen Kompromiß als Lagerplatz ein. Jenseits des Flusses erstreckte sich ein schmaler Grünstreifen, zu schmal für eine Kohte, doch zum unter freiem Himmel schlafen, was wir dann auch taten, ganz ok. Zwar machte uns ein Rumäne noch auf eine Hütte aufmerksam, die oben auf dem Berg gelegen war, aber wir begnügten uns mit unserem Kompromiß, um den nicht ganz unerheblichen Aufstieg zu umgehen. Zum Abendessen bereiteten wir ein herrliches Mahl aus drei Packungen Spaghetti, einer Dose Tomatenmark und einer Tütensuppe. Nach kurzem Singen und der obligatorischen Dracula-Vorlese-Session suchte ich recht bald meinen Schlafsack auf und schlummerte unter sternenklarem Himmel ein.

J.B.

6. Tag, Samstag der 11. August 2001, Die Fahrtennamensuche

"Hey, wer weckt mich da?" Ach nur der Bongolator der auch ein bißchen von der Kohtenbahn haben wollte. Ja so wurde ich heute geweckt. Ich versuch noch ein Bißchen zu schlafen, aber diese Möglichkeit bestand nicht. Ich stand auf und wir machten am nahegelegenen Fluß eine "Wasch-Party". Dann packten wir unsere Siebensachen und wanderten los. Wir sind ein bißchen mühsam losgekommen aber später ging es dann. Nachdem wir drei Stunden gelaufen waren und mehrere Pausen gemacht hatten, trafen wir auf eine große Gruppe Zigeuner. Wir wanderten weiter und kamen nach einer Stunde zum Paß. Dort suchten wir erstmal eine Möglichkeit, um Lebensmittel einzukaufen, doch die Möglichkeit hatten wir dann nicht. Wir haben aber doch noch 6 Liter Apfelsaft ergattert und haben davon einen verspeist. Danach sind wir weitergewandert und haben uns Fahrtennamen für Lukas, Jannik und einen für mich ausgedacht. Lukas: Stetson Jannik: Schummel Timm: Torf Danach suchten wir uns einen Lagerplatz und bauten unsere Kohte auf und fingen an zu kochen. Es gab Curry-Risotto mit Tomatenmark. Haben dann noch ein bißchen gesungen und Tee getrunken. Und Momo hat aus "Dracula" vorgelesen.

Nachtrag: Wir sind ca. 11 km gewandert.

Torf

7. Tag, Sonntag der 12. August 2001, Der Regentag

Als wir heute aufwachten, war es in der Kohte nicht so heiß wie an den letzten Tagen, deshalb versuchte ich noch eine Runde zu schlafen. Um ca. 10 Uhr standen wir so langsam alle auf und gingen uns an einer Waschstelle an einer Hütte waschen. Der Himmel war von dunkeln Wolken überdeckt und als ich vom Waschen kam, fing es plötzlich an zu regnen. Wir packten schnell unser Gepäck unter die Ponchos und suchten ...

(hier eine Doppelseite freigelassen.... Schummelei!)

...Schutz in der Kohte. Nun waren alle außer Momo in der Kohte. Momo war noch beim Waschen gewesen und hatte sich dort untergestellt. Als ich nach dem Gepäck von Lukas und mir guckte, erlebte ich eine böse Überraschung. Unter unserem Gepäck hatte sich eine Pfütze gebildet. In Rekordzeit brachten wir unsere Sachen in die Kohte. Als der Regen ein bißchen aufgehört hatte, kam Momo in die Kohte. Nun aßen wir erstmal unser letztes Brot und dann las Momo uns aus "Dracula" etwas vor. Als der Regen dann um halb zwei aufhörte, beschlossen wir, unsere Sachen zu packen und weiterzugehen. Wir wanderten um 15:30 Uhr los. Unterwegs fing es wieder an zu regnen. Wir liefen 6,5 km und bauten dann in strömendem Regen unsere Kohte auf. Wir waren durchnäßt und uns war kalt. Wir beschlossen zu einem Restaurant, das wir am Weg gesehen hatten, zu gehen und dort zu essen und uns aufzuwärmen. Weil die Karte nur auf Rumänisch war, hatten wir einige Probleme, uns für ein Essen zu entscheiden. Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir zurück zur Kohte und legten uns in unsere Schlafsäcke, und Momo las uns noch aus Dracula vor. Um ca. 0:00 Uhr gingen wir schlafen.

Schummel

8. Tag, Montag der 13. August 2001, Waschen, Trocknen, Legen

Nachdem wir ja gestern erlebten, was Regen ist, entdeckten wir heute beim Aufstehen strahlenden Sonnenschein. Dieser hatte unsere Kohte und die Wiese schon vollkommen getrocknet, so daß wir nur noch aufstehen mußten und unsere vom Regen unbeabsichtigt gewaschenen Sachen (alles war naß) zum Trocknen auszubreiten. Nachdem Bongo seinen Wanderstock, den er im Lokal liegengelassen hat, holte, verspeisten wir mit größter Sorgfalt die letzten noch aus Hamburg stemmenden Süßigkeiten zum Frühstück. Als alles getrocknet war, legten wir unsere Sachen zusammen, packten und wanderten weiter nach Borzont. Dort kamen wir etwa um 16:00 Uhr an. Mit größter Mühe schafften wir es, der Dorfhändlerin folgendes abzuschnacken:
- drei Tüten Croissants
- drei Pakete Nudeln
- zwei Dosen Champignons
- eine Dose Hühnchen
- eine Wurst
- eine zu 7/8 volle Packung Streichkäse
- ein Glas Kirschpürree
- drei Auberginen
- 1kg Gurken
- 1kg Paprika
- 2kg Tomaten
- 2 Pakete Reis
- 2 Glas Pure de Tomate
- so viel Brühwürfel, wie da waren
- noch irgendwas

Mit Stolz kann ich berichten, daß wir dank Momos Überredungskünsten ein ganzes Brot erwarben. Als wir den Einkauf beendet hatten, genossen wir auf den Bänken vor dem Laden unser "Spätstück" (zweites Frühstück). Gut gestärkt wanderten wir weiter und gönnten uns auf dem Weg noch ein Eis. Nach dem Eis wanderten wir weiter und fanden, nachdem wir insgesamt etwa 9km wanderten, einen Lagerplatz. Dort kochten wir die zuvor gekauften Nudeln mit dem Tomatenmark und etwas Gemüse. Man munkelt auch, daß Momo ein ganzes Kapitel aus Dracula vorgelesen hat. Allerdings kann sich keiner daran erinnern.

Stetson

9. Tag, Dienstag der 14. August 2001, Der längste Tag (oder: Wer lange geht, wird endlich müd)

Peitschenknall weckte uns. Ein kleiner Junge lief um die Kohte, und Bongo ermunterte ihn, laut rumzuknallen, um uns aufzuwecken. Das war so eine Art verspätetes Wahrwerden meines nächtlichen Traumes: Ich träumte, im Schlafsack zu liegen und durch die Kohtennähte hindurch Lichtschein zu sehen. Außerdem hörte ich draußen Stimmen von Männern, die um die Kohte gingen. Also erhob ich meine Stimme und sagte in lautem und entschiedenen Ton: "Wacht ihr bitte mal alle auf! Da sind Leute draußen." Und ich sagte es tatsächlich, schlafenderweise, und wachte selbst davon auf. Bongo war auch schon aufgewacht und sprang nach draußen, während ich noch darüber nachgrübelte, was eigentlich gerade geschehen war. Bongo fand nichts, und ich murmelte kleinlaut, daß ich wohl nur geträumt habe. Bongo war noch am nächsten Morgen sauer auf mich... Als wir die Kohte verließen, war der Junge mit der Peitsche schon weg. Wir frühstückten und machten uns dann auf die Socken. Nach zwei oder drei Kilometern erreichten wir Lazarea, wo wir in einem Mini-Park auf dem Rasen haltmachten und ein zweites Frühstück einnahmen (Melone und Würstchen...). Nach dem Essen rauften Bongo und Torf ein wenig auf dem Rasen (die Rabauken), was noch ein Nachspiel haben sollte. Obwohl Torf beleidigt war, gingen wir bald weiter, aber nach einem guten Stück bemerkte Torf den Verlust seiner Taschenlampe, die im Eifer des Rasengefechts dem Holster entglitten war. Also machten wir halt, und Torf und Bongo liefen zurück, um den Lichtdolch zu retten. Nach erfolgreichem Abschluß der Mission liefen wir weiter und legten die insgesamt 8km bis nach Ditrou relativ flott zurück. Dort kauften wir Wasser, Eis und andere Grundnahrungsmittel. Außerdem eine Handvoll Äpfel - wegen die Vitamine! Beim Äpfel-Kauen kamen wir mit der Tochter des Ladeninhabers ins Gespräch, die ein wenig Deutsch konnte. Am Ende unserer Plauderei schenkte sie uns eine dicke Flasche Cola. Das war niedlich. Vitamin-energized trabten wir weiter, verließen Ditrou und kamen nach Remetea, dem letzten Ort vor unserer geplanten Querung nach Lapusna. Weil die beiden Orte praktisch nahtlos ineinander übergingen, beschlossen wir, hinter Remetea einen Platz zu suchen. Was wir nicht wußten: Remetea hat vor ein paar Jahren am Wettbewerb "Längster Ort Europas" teilgenommen - und gewonnen! Wir liefen und liefen und liefen und liefen. Und liefen. Der Ort nahm und nahm kein Ende. Ich weiß nicht, wie oft ich gesagt habe "Es kann nicht mehr weit sein" oder "Nach der nächsten Kurve bestimmt..." Die verschiedentlich geäußerten Flüche will ich lieber verschweigen. Besonders die Lahmenden und Fußkranken unter uns, Schummel und Stetson, hatten eine schwere Zeit. Obwohl wir fast nicht mehr daran geglaubt hatten, hatte der Ort doch ein Ende, das wir bei Einbruch der Dunkelheit erreichten. Dort bauten wir die Kohte auf, aßen noch eine Scheibe Brot und gingen todmüde in die Säcke, ohne Vorlesen sofort einratzend. Verdientermaßen. Wir sind heute alles in allem gut 20km gelaufen.

Momo

10. Tag, Mittwoch der 15. August 2001, Endlich wieder in die Berge

Tja, also sind wir wieder spät aufgestanden. Der Bach, der am Platz vorbeifließt, taugte nicht mal zum Waschen, weil ein paar Meter höher die Kühe hineinsch... Torf und ich gingen zum Einkaufen. Warm war es. Der Laden wurde von einer Ungarin geführt, die wir erstmal aus der Kneipe nebenan holen mußten. Zwiebeln gab's wieder nicht (unverständlich). Interessanterweise war an diesem Tag Gottesdienst im Dorf und als wir nach dem Einkaufen vor dem Laden saßen, kamen die Alten, die Frauen und die Kinder in Tracht oder sonstwie herausgeputzt an uns vorbei. Nachdem wir zurückgegangen waren, gefrühstückt und gapackt hatten, ging es in der Mittagshitze los. Dies war nicht so einfach, weil der Weg nicht so einfach von den Feldwegen zu unterscheiden war, und wir oftmals fragen mußten. Der Anstieg war trotzdem nicht zu schwer. Jedenfalls fuhren dort keine LKWs und PKWs, sondern nur Kutschen und Forstfahrzeuge. Gegen 17-18 Uhr fanden wir einen schönen Platz direkt am Weg in einem engen Tal am Bach. Kohtenaufbau und Essenkochen lief prima, wobei ich die Kohte nochmal extra groß abspannte. Heute gab es zum ersten Mal Kaffee vor und nach dem Essen, welches wieder ein leckeres Risotto mit Auberginen und Paprika war. Nach Liedern und Geschichte ging's in die Schlafsäcke. Die Nacht war ziemlich kühl, da das enge Tal nicht allzu viel Sonne kriegte.

Gelaufen: Remetea => + ca 10km

Bongo

11. Tag, Donnerstag der 16. August 2001, Vom Walachen in die Walachei geschickt

Uääah, gähn! Aufstehen - hmmm. Überwindung - wach! Nachdem dies alles überwunden, ich hatte ziemlich gut geschlafen, ging's daran, die Vorzüge unseres Viersterne-deluxe-Platzes voll auszukosten. Dazu gehörte an erster Stelle natürlich das Fließend-Wasser vor der Kohte: wir wuschen und badeten uns also ausführlich. Danach, durch die Kühle des Wassers des klaren Gebirgsbaches etwas aufgemuntert, begannen wir den Tag mit einem ordentlichen Frühstück und natürlich mit duftendem Kaffee. Das Wasser des Gebirgsbaches war so klar, daß wir noch schnell unsere Trinkflaschen mit selbigem auffüllten bevor es dann losging, so gegen halb zwei. Wir mußten nicht mehr sehr viel des Weges zurücklegen, um den Gipfel zu erreichen. Dort angekommen wurden wir aber mit einem alten Problem konfrontiert: Der Weg schien sich in der Wildnis zu verlaufen, bzw. gabelte sich unendliche Male und mischte sich mit mehr oder weniger wegähnlichen Schneisen der Forstarbeiter. Nicht selten hatten wir aber Glück und hatten Gelegenheit, jemanden nach dem Weg nach Lapusna zu fragen. So verfuhren wir auch oben auf dem Paß bei einem Walachen, der uns aber in die Walachei schickte. Genauer gesagt: wir drehten noch eine kleine Extratour zu dem benachbarten Gipfel, wo Schummel und ich dann zwei Forstarbeiter auftreiben konnten, die uns erklärten, daß wir hier falsch waren. Also ging's ein ganzes Stück zurück und hinter einer Berghütte (ganz in der Nähe von dem Ort, wo wir den Walachen getroffen hatten) befand sich dann auch tatsächlich eine Art Schotterpiste, die anscheinend den Fahrweg darstellte. Ziemlich zügig, es ging ja bergab, wanderten wir dann weiter, und es dauerte nicht lange, bis der steinige Weg wieder von einem kleinen, klaren, plätschernden Bächlein begleitet wurde. Wir hofften, an diesem einen netten Lagerplatz zu finden, denn der steinige Weg ließ unsere Füße sehr schmerzen. Allerdings waren mehrere Versuche einen geeigneten Platz zu finden, erfolglos, so daß wir erst gegen halb acht direkt am Wege unsere Kohte aufschlugen. Der lange Tag hatte die meisten von uns sehr hungrig gemacht und ich verdrückte knapp vier Koschis voll Nudeln. Im übrigen hatten wir Glück, unsere Kohte nicht zu direkt am Weg aufgebaut zu haben, da abends, es war schon dunkel, drei Pferdegespanne mit Holzstämmen beladen talwärts rollten, natürlich ohne Licht. Mit Licht begaben wir uns dann in unsere Kohte und lauschten noch Momos Erzählungen aus Dracula, bis wir satt und zufrieden einschlummerten.

J.B.

12. Tag, Freitag der 17. August 2001, Die Enttäuschung in Lapusna

Booaaah .... Uuuhh ... Aufwachen? Nein, noch schlafen ... uhhh ... ok, doch aufwachen .... Guten Morgen, liebes Tagebuch, heute habe ich super geschlafen, nur mein Nachbar hat ohne Ende geschnarcht. Ich bin aufgestanden und habe draußen meinen schnarchenden Nachbarn angetroffen, der auch schon aufgestanden war. Danach habe ich mich im nahe gelegenen Bach / Fluß gewaschen. Langsam fing ich an, meine Sachen zu packen. Wir haben schön gefrühstückt und sind langsam losgelaufen. Wir fragten einen vorbeifahrenden Arbeiter, wie weit es nach Lapusna ist. Nach 2km kamen wir in ein kleines Dorf, das man mit ca 15-20 Häusern wirklich klein nennen konnte. Die Enttäuschung war groß: es war Lapusna. Auch kein Laden war in Sicht. Wir liefen weiter, fragten noch an einer Fischzucht nach Wasser und sie sagte uns eine Stelle, wo eine kleine Quelle war. Weiter ging es. Mich plagten heftige Kopfschmerzen, aber später ging es dann. Wir kamen später an einen Platz, den man nur über den Fluß betreten konnte. Also gingen Schummel und Stetson einkaufen und Wasserholen, und die anderen brachten die Rucksäcke und so über den Fluß. Am Abend machten wir noch eine Mischsuppe aus den ganzen Tütensuppen. Es war sehr lecker. Wir sangen noch ein bißchen und tranken Kaffee und Tee, hörten Momo aus Dracula zu und schliefen alle nacheinander ein. An diesem Tag sind wir ca. 15km gelaufen. Liebes Tagebuch, ich werde bald wieder schreiben, aber jetzt sage ich erstmal Gute Nacht.

Torf

13. Tag, Samstag der 18. August 2001, - kein Titel, Schummelei! -

Heute konnten wir ausschlafen, da wir heute das Bergfest nachfeiern wollten. Als wir dann gefrühstückt hatten, gingen Momo, Lukas, Jonathan und ich ins Dorf um einzukaufen und Wasser zu holen. Timm und Bongo blieben beim Lagerplatz. Im Dorf suchten wir "stundenlang" nach einem Laden, da diese in ganz normalen Häusern waren. Wir fragten einen Mann auf der Straße nach einem Laden. Dieser nahm uns in seine Backstube mit und gab uns jedem ein Hörnchen, das noch ganz warm war. Dann führte er uns in seinen Laden, wo wir dann einkauften. Dann gingen wir zu einem weiteren Laden und kauften auch noch ein. Insgesamt erwarben wir:
2 x 900g Reis
3 x Spaghetti
2 x Tomatenmark
2 x Brote
2 x Käseecken
3 x Toilettenpapier
12 Bananen
Als wir wieder am Lagerplatz ankamen, war die Kohte neu aufgebaut und es war ein Haufen Feuerholz gesammelt worden. Die restliche Zeit vorm Essenmachen wurde durch Baden, Gitarrespielen, Sonnen und Kartenschreiben genutzt. Als wir gerade unser "Bergfestmahl" (Spaghetti mit Tomatensauce) machen wollten, fing es an zu regnen (immer muß ich über Regen schreiben). Wir suchten Schutz in der Kohte und Momo las uns Dracula vor. Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, kochten wir zu Ende und aßen dann. Nach den Spaghetti gab es Tee. Zur Feier des Tages fingen wir an, Milchreis zu kochen. Timm ging frühzeitig ins Bett, weil ihm schlecht war und er Kopfschmerzen hatte. Um etwa 1:30 Uhr gab es den Milchreis. Danach las Momo noch Dracula vor. Um ca. 3:00 Uhr gingen wir dann ins Bett.

Schummel

14. Tag, Sonntag der 19. August 2001, Waschtag, die Zweite

Nachdem wir ausgeschlafen waren, entschieden wir uns aufzustehen. Da wir überschleunigt frühstückten, um später noch genügend Zeit zum Abwaschen zu haben, vergaßen wir natürlich, daß wir ja eigentlich Rührei machen wollten. Nach einem Durchschnittsfrühstück machten wir uns ans Werk, wobei wir von einigen rumänischen Ausflüglern etwas gestört wurden und uns einen anderen Waschplatz suchen mußten. Als wir nach dem Waschen zum Lagerplatz zurückkehrten, war lautstark zu vernehmen, daß die rumänischen "Touris" mittlerweile ihr Radio angestellt hatten, welches uns noch den ganzen restlichen Tag extrem nerven sollte. Später taten Momo und Jonathan gar nichts außer zu faulenzen, Jannik und ich suchten Feuerholz, Bongo und ich gingen Wasserholen, um den ewig gleichen drei Liedern der Rumänen auszuweichen, und Timm lag auf der Wiese, und ließ annehmen, daß er krank wurde. Abends gab's, welch ein Wunder, Nudeln und Kaffee, der von einigen Briefen, Tagebüchern usw. folgender Personen begleitet wurde: Mina Harker, Jonathan Harker, Dr. Van Helsing. Später gingen wir nach einer ziemlich kurzen Nacht ins Bett.

Stetson

15. Tag, Montag der 20. August 2001, Fieber!

Schweren Herzens verließen wir unseren liebgewonnenen Nach-Bergfest-Platz und tippelten los. Richtung Reghin. Beim Laden vom Samstag gab's erstmal wieder ein Eis. Wir gingen ein Stück weiter, aber Torf konnte nicht ganz mithalten. Er klagte über Kopfschmerzen, und der Test mit dem Thermometer ergab, daß er Fieber hatte. Wir gingen langsam weiter und fragten alle naslang nach dem nächsten Arzt. In Ibanesti-Padera gibt es eigentlich einen, aber dessen Bruder erzählte uns, daß er gerade im Urlaub am Balaton sei. Wir also weiter. Als Timm beim nächsten Halt jedoch 40° Fieber maß, war es mit unserer Geduld zu Ende. Wir hatten die Information erhalten, daß 2km weiter eine Erste-Hilfe-Station mit Arzt sei. Wir hielten also kurzerhand ein Auto an, das in die fragliche Richtung fuhr, und verklickerten dem Fahrer mit Händen und Füßen, daß wir zu einem Artz müßten. Torf, John Boy und ich wurden samt Gepäck eingeladen, und los ging's. Bei der Station war der Arzt jedoch nicht da, weshalb der Fahrer uns weiter zu einer Apotheke im nächsten Ort fuhr. Das Auto war echt abgefahren: kein Zündschloß, keine Handbremse, vermutlich keine Stoßdämpfer... In der Apotheke, die auch so eine Art Arztpraxis war, konnten wir unter Zuhilfenahme von mindestens fünf europäischen Hochsprachen und mindestens ebensovielen Gliedmaßen erklären, was unser Problem war. Daraufhin verkaufte man uns einen Haufen verschiedener Präparate, vom Kopfschmerzmittel über Rheuma-Pillen bis hin zu dem, was uns das wichtigste war: Paracetamol gegen das Fieber. Davon flößten wir Torf gleich eine ein. Die anderen Mittelchen ignorierten wir. Der ganze Kram hat übrigens alles in allem 213.000 Lei gekostet (ca. DM 17). Weil der Apotheker mir auf 220.000 nicht rausgeben konnte (oder wollte), hat er einfach ein paar ASS-Tabletten draufgelegt... Nachdem Torf medikamentiert war, gingen wir zur Straße nach Reghin zurück. Wir dachten, die anderen würden bei besagter Erste-Hilfe-Station warten. Deshalb lief ich los, um sie zu holen. Aber siehe da: sie kamen mir schon nach 100m entgegen, weil sie von sich aus weitergegangen waren. Wie gut! Wir verließen das Dorf und fanden kurz darauf rechts am Fluß einen ordentlichen Lagerplatz. Ein Angler, der dort noch zugange war, textete uns voll von den anatomischen Vorteilen der lokalen schönen Mädchen, Alkohol und Feuer-mit-Benzin-Anzünden. Als wir von alledem nichts wissen wollten (!), ging er baden und wäre beinahe von einem 10cm langen Blutegel aufgefressen worden. Da waren unsere Badepläne auch gestorben. Zum Abendessen gab's Nudeln mit Tomatensauce (frische Tomaten!), darin auch saure Gurken und Pilze. Gewissermaßen: Nudeln Stroganoff.

Momo

16. Tag, Dienstag der 21. August 2001, Der Langstreckentag

Mal wieder von der Sonne aus dem Schlafsack getrieben worden. Auf das Bad im Fluß verzichteten wir, nachdem der Angler am Vorabend einen 10cm langen Blutegel aus dem Wasser gezogen hatte. Trotzdem gingen später ein paar Jungs aus dem nächsten Ort dort schwimmen, obwohl sie es wohl nie richtig gelernt hatten. Das Hundekraulen sah schon etwas merkwürdig aus. Beim späteren Brunch probierten wir die erste vegetarische Streichpaste in Hunde-/Katzenfutter-Verpackung aus. Der aufgedruckte Geschmack Olive war nicht schmeckbar, jedoch schien es nahrhaft und wurde gegessen. Nach dem Packen machten wir uns bei sengender Hitze in den nächsten Ort (Gurghiu) auf. Dort angekommen erfuhren wir, daß der Bus innerhalb der nächsten halben Stunde führe und kauften Eis und Cola, um die verlorene Flüssigkeit wieder nachzufüllen. Der Bus nach Reghin war günstig (10.000 Lei / Person) und ein alter DDR-Bus. Ein wenig Schmuck, Aufkleber und vergilbte Zigarettenwerbung und Jesusbilder schafften die Atmosphäre. Nach kurzem Gerumpel waren wir in Reghin und entschieden uns, dort weiter über Targu Mures nach Sighisoara zu fahren. Die Wartezeit (ca 1 Std.) verbrachten wir mit Einkaufen und damit, uns gegenseitig zu fotografieren. Der Transitbus nach Sighisoara war mit weicheren, aber deutlich abgewetzteren Sitzen ausgestattet. Es war ein alter Roman. Die Fahrt versüßten wir uns mit Brause und Waffeln. Momo schaffte es tatsächlich, in diesem Bus zu schlafen. In Sighisoara machten Momo und ich uns auf den Weg zu unserem Traumlagerplatz auf dem Hügel über dem Bahnhof, den wir schon bei der Ankunft ausgeguckt hatten. Keineswegs traumhaft war der Anstieg dorthin und außer einem Campingplatz-Sportplatz-Waldbühne-Gemisch war nichts auszumachen. Nachdem wir uns mit einem deutschen Ehepaar unterhalten und einige hundert Meter weitergegangen waren, zeigte sich doch eine Wiese mit Blick über Sighisoara. Zum Abstieg wählten wir diesmal die Straße, wobei sich zeigte, daß es mit Gepäck doch einige Zeit dauern und sehr, sehr anstrengend sein würde. Also charterten wir ein Taxi, das uns für 120.000 Lei in zwei Fuhren auf den Berg brachte. Im Dunkeln gestaltete sich die Kohtenstangensuche etwas schwierig, da der Wald kaum Adäquates bot (er wirkte zu aufgeräumt, da die Bewohner am Fuße des Hügels hier wohl regelmäßig Holz sammelten). Nach Nudeln mit Gemüse (diesmal Zwiebeln!) nach französischer (recht roher) Art, ging es in die Schlafsäcke, um noch ein wenig Dracula zu hören.

Bongo

17. Tag, Mittwoch der 22. August 2001, Weder Reis noch Nudeln!!!

THW zum Einsatz! THW zum Einsatz! Wie ein endloses Echo erscholl dieser Ausruf vom Liegeplatz neben mir, und nur mühsam versuchte die Außenwand meines Schlafsacks einen akustischen Schutzwall aufzubauen. Halb genervt, doch dadurch keinesfalls ermutigt, verließ ich vielmehr aufgrund der Hitzeeinwirkung der brennenden Mittagssonne meinen Schlafsack. Aufgrund der fehlenden Wassersituation ging's dann ohne Bad & Dusche, dafür aber mit herrlichem Drei-Sterne-Panoramablick über Sighisoara zum Frühstück. Es gab heute Variante zwei und drei unserer begehrten "Past vegetal". Der Begriff Variante bezieht sich dabei im Wesentlichen auf das Etikett der Katzenfutterverpackung, der Inhalt war aber sowohl farblich als auch geschmacklich sehr nah an der Variante eins, die wir gestern probierten. (Notiz: Rezept besser nicht besorgen, aber auf www.pitesti.ro/inedit nach Etikett suchen für Tagebuch). Nach dem Frühstück wurde Torf wieder in den Schlafsack gefüllt und Schummel zur Beobachtung abgestellt, während sich der Rest auf einem sehr steilen Weg nach Sighisoara begab. In Downtown von Sighisoara gab's dann erstmal eine Erfrischungs-Cola, und anschließend begutachteten wir sämtliche Lebensmittelläden, ganz erstaunt über die reichhaltige Auswahl. Bevor es dann aber ans Einkaufen ging, tauschten wir noch Geld um und genehmigten uns ein leckeres Stück Kuchen und einen Kaffee in einer kleinen Bar. Ganz gegen unsere Gewohnheit setzten wir uns heute in den Kopf, "Himmel & Erde" zu kochen, was uns abgesehen von der Fleischbeilage auch gelingen sollte. Ja, wir hben sogar einen Gemüseladen gefunden, bei dem wir für morgen eine ganze original ALDI-Tüte voll Gemüse für ca. 5 DM erwarben! Nach der Vervollständigung unseres Lebensmittelsortiments machten wir un an den Aufstieg zu unserem Lagerplatz. Unverhofft entdeckten wir dabei einen Wasserhahn auf halber Strecke, den wir für morgen sofort geistig notierten. Oben angekommen, stellten wir fest, daß Torf entweder eine verdammt große Nase haben muß, oder, daß doch mehr als die, wie angeordnet, Nase aus dem Schlafsack guckte. Auch die Feuerstelle schummelte noch so vor sich hin, aber irgendwie regelte sich dann dies alles. Nach einer Briefschreibe- und Kassenbuch-auf-Vordermann-Bring-Situation begannen wir mit der Zubereitung des Abendessens. Wie immer hätte es von allem etwas mehr sein können, trotzdem war uns "Himmel & Erde" eine willkommene Abwechslung. Da wir heute recht früh unser Mahl einnahmen, reichte der restliche Abend nicht nur für eine Tasse Kaffee und eine Tasse Tee, sondern auch noch für über 40 Seiten unserer Dracula-Lektüre.

J.B.

18. Tag, Donnerstag der 23. August 2001, - ohne Titel -

Guten Morgen, liebes Tagebuch. Ich weile noch unter den Lebenden. Heute habe ich lange geschlafen und habe von übergalaktischen Hornissen geträumt. Ich bin aufgewacht als ich irgendetwas mit "Bügelsäge" hinter mir sagen hörte; es war Momo, der Jonathan wach machen wollte und rief: "THW zum Einsatz, THW zum Einsatz, Riesen-Weißbrotscheibe im Wald gesichtet, muß vernichtet werden. Bügelsäge mitbringen." Ja, so wurde ich geweckt. Nach dem Frühstück wollten wir in zwei Schichten ins Freibad gehen. Ich durfte natürlich nicht mit, weil ich ja sterbenskrank bin. Als John Boy, Stetson und Schummel losgingen ins Schwimmbad und wir sie nur noch unten am Hang des Berges sehen konnten entdeckte Bongo von hier oben, daß das Schwimmbecken von gestern auf heute leergepumpt worden war, und sie dieses gerade putzten. Bongo und Momo lachten sich kaputt, wie die anderen sich hier herauf quälten. Am späten Nachmittag gingen Momo, John Boy, Stetson und Schummel einkaufen. Da ich sie alle interviewt habe für diese Aufzeichnung, haben sie mir erzählt, daß sie noch ein überdimensionales Eis gegessen haben. Was John Boy noch mit großen Augen erzählte, war "daß am Eisstand zwei heiße Gelöte" standen. Ich glaube, Momo hat mit seinem "Waschfettbauch" einen großen Vorteil. Als sie weiter kamen, hat es gerade angefangen zu regnen, das auch nicht aufhören wollte, also machten wir uns dran zu kochen. Es gab Risotto (kotz, würg, göbel, spei) und als letztes las Momo noch aus Dracula. So, liebes Tagebuch, ich werde diese Großfahrt nicht in dich hineinschreiben, also mach gut.

Torf

19. Tag, Freitag der 24. August 2001, - ohne Titel, wieder Schummelei! -

Wir wachten etwa um 10:00 - 11:00 Uhr auf. Da es in der Nacht warm und sehr feucht war, hatten wir alle nicht so viel geschlafen. Nachdem wir gefrühstückt hatten, gingen Momo, THW, Bongo und ich in die Stadt. Auf halbem Weg trafen wir drei Leute vom Pfadfinderbund CP (Anm. d. Übers.: CP = Christliche Pfadfinderschaft), die gerade auf der Suche nach einem Platz waren. Wir verabredeten uns um 17:00 Uhr in der Altstadt, damit wir sie zu unserem Lagerplatz führen konnten. Momo und das THW freuten sich schon auf die zwei Gelöte am Eisstand. Doch diesmal saß dort nur ein altes faltiges Gelöt am Eisstand. Momo und das THW waren sichtlich enttäuscht. Danach gingen wir einkaufen. Um 17:00 Uhr trafen wir uns mit den Leuten. Als wir am Lagerplatz waren, fingen wir an, Milchreis zu kochen. Nachdem wir gegessen hatten, sangen...

SCHON WIEDER EINE DOPPELSEITE ÜBERSPRUNGEN - MEGA-SCHUMMELEI!!!

...wir noch bis 23:00 Uhr. Danach gingen wir ins Bett.

Schummel

20. Tag, Samstag der 25. August 2001, Sighisoara, die Erste

Kleiner halbsymbiotischer Tausch in der Tagebuchreihenfolge. Heute sind nämlich Bongo, John Boy und ich auf Besichtigungstour in Sighisoara gewesen. Um dauernde indirekte Rede zu vermeiden, schreibe ich heute, und Stetson morgen. Nach dem Frühstück haben wir uns auf die Socken gemacht. Drei unserer 5-Liter Mineralwasserflaschen (mit denen wir hier oben den Trinkwasserbedarf decken) nahmen wir mit den Berg hinunter und versteckten sie in der Nähe des Wasserhahns, um auf dem Rückweg Brauchwasser mitnehmen zu können. In der Stadt findet über's Wochenende ein Festival der ethnischen Minderheiten statt. Wir machten einen Schlenker am Fluß entlang, wo die Aufbauarbeiten im Gange waren, und stiegen dann den Berg hinauf zur "Zitadelle" (dem mittelalterlichen Stadtkern), die wir durch den "Glockenturm" betraten. Auf dem dahinterliegenden Platz setzten wir uns erstmal hin und lasen, was der Lonely Planet so über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu sagen hatte. In der Kirche hinter uns spielte Orgelmusik. Dort gingen wir als erstes hinein. Die Kirche hatte den Sighisoarer Sachsen als Lutherische Hauptkirche gedient. Von innen war sie eher unspektakulär. Danach besichtigten wir das im Glockenturm untergebrachte Historische Museum. Dort gab es einen Schrein für Hermann Oberth, seines Zeichens Raketenbauer im deutschen Raketenprogramm und ein bedeutender Sohn der Stadt, nach dem auch ein Platz benannt ist. Außerdem gab es Funde aus der Bronzezeit und späteren Epochen, chirurgische Instrumente aus den vergangenen Jahrhunderten, eine Taschenuhr und zwei Hüte für Stetson, die Figuren-Uhr von innen, ein Stadtmodell und ganz oben ein Ballustraden-Rundgang, von dem aus man einen sehr schönen Blick über die Stadt hatte. Dort stand ein Schild, daß es bis zum Südpol 14.025km seien (da geht's dann nächstes Mal hin). Wir haben ein paar Fotos geschossen und sind dann wieder runter. Das gleich nebenan gelegene Museum für mittelalterliche Waffen hatte nur drei Ausstellungsräume mit einer Handvoll Schwertern, Degen, Pistolen, Kettenhemden, Streitäxten und so weiter. Beim Foltermuseum herrschte zu großer Andrang, weshalb mir zunächst am Geburtshaus des Vlad Tepes vorbei zur Piata Cetatii schlenderten. Dort wurde auch gerade eine Bühne aufgebaut. Wir sahen uns von außen das frisch restaurierte Hirsch-Haus an und gingen dann bergauf zur überdachten Treppe. Die ist witzig. Ganz aus Holz tunnelt sie sich wohl 100m den Berg hoch. Die Kirche oben sahen wir nur von außen an, weil wir es dreist fanden, daß man Eintritt zahlen sollte. Also schlenderten wir lieber über den Deutschen Friedhof, der sehr hübsch am Hang gelegen ist. In einem Bogen kehrten wir zur Piata Cetatii zurück, wo inzwischen ein Rudel Trachtentänzer auf der Bühne herumhüpfte. Etwas nördlich gab es eine weitere Kirche, in die wir aber ebenfalls nicht hineingingen. Dafür konnte man hier noch einmal ganz an die schöne alte Stadtmauer heran. Auf dem Rückweg konnten wir nun auch ins Foltermuseum, aber das war echt für die Katz. Ein einziger Raum mit einem falschgeknoteten Galgenstrick, einer Streckbankimitation und ein paar kleinen Daumenschrauben. So ein Betrug... Und das in der Geburtsstadt des Pfählers! (Tepes = "der Pfähler"). Wir mußten noch ein Restaurant für morgen abend finden und hatten etwas Mühe, das im Lonely Planet als traditionell rumänisch beschriebene "Adelas" zu finden. Dort erfuhren wir aber auch nur, daß geschlossen sei. Weil es sonst nur Pizzerien gibt, gingen wir zurück in die Zitadelle und reservierten einen Tisch im Restaurant im Dracula-Geburtshaus. Hinterher (oder auch vorher zwischendurch?) gingen wir noch einen Kaffee trinken. Dann wollten wir Geld tauschen, aber das war nicht möglich: alle Wechselstuben hatten bereits geschlossen. Mist. Dann muß es irgendwie anders gehen. Schließlich kehrten wir auf unseren Berg zurück. Die Wasserkanister fanden wir allerdings nicht. Bongo hatte sie zu gut versteckt! Oben kochten wir Korv Stroganov, während eine eigens ausgesandte Search-and-Rescue-Expedition die Kanister doch noch auftreiben und füllen konnte. Als wir kochten wurde auf der großen Bühne unten gerade der erste Soundcheck durchgeführt, und bald begann ein ohrenzerreißendes Konzert. Regen zwang uns, in der Kohte zu essen, aber wir konnten kurz darauf schon wieder raus, um den Tschai zu kochen. Die ganze Zeit dröhnte die Nervmusik, was uns ein wenig den Spaß am Singen nahm. Aber der Tschai war lecker und als mit dem Konzert irgendwann nach Mitternacht endlich Finale war, kamen wir doch noch zum Singen und lasen ein paar Seiten Dracula. Erst draußen, dann in den Säcken. Und dann war Schlaf.

Momo

21. Tag, Sonntag der 26. August 2001, Sighisoara, die Zweite

Nachdem wir ziemlich spät aufwachten, frühstückten wir und fingen an zu packen, und gingen dann in die Stadt um diese zu besichtigen. Kaum vom Berg unten, weigerte Torf sich, seine Kluft zu tragen. ???????! Als wir nach einer Cola die Zitadelle erreichten, machten wir etwa den gleichen Rundgang, den die drei anderen schon gestern gemacht haben. Erst schauten wir einer Trachtentanzgruppe bei ihrem Auftritt auf dem Marktplatz und besuchten dann das Museum im Glockenturm. Dort las ich in dem der Medizin geweihten Raum in einem dort ausgestellten Buch, wie bei Blasenlähmung zu verfahren sei, sollte man nicht daran interessiert sein, einen Kathether zu legen. Nachdem wir noch einige monster-hammermäßig fetten Spritzen und vier (nicht, wie Momo meinte, zwei) Hüte sahen, verließen wir das Museum. Angemerkt sei auch, daß Torf es sich trotz Protest nicht nehmen ließ, die ganze nächste Zeit mit Zigarette hinterm Ohr rumzulaufen. ???????#! Als wir die Treppen, die beiden Kirchen und noch so einiges besichtigt hatten, gingen wir zurück zum Lagerplatz. Schnell packten wir zu Ende und versteckten unser Gepäck im Wald. Danach schlenderten wir zurück in die Stadt, wo wir im Dracula-Haus essen gingen. Das Restaurant war sehr mittelalterlich eingerichtet. Es sei gesagt, daß die Sessel sehr tief und bequem waren. Nach dem Essen flanierten wir noch durch die Stadt und wurden von einem Eisverkäufer "beschissen", der uns 10.000 Lei zuviel abzog. Zurück am Lagerplatz bauten wir die Kohte wieder auf, wobei Torf sich mal wieder weigerte, irgendwie mitzuhelfen. Wir gingen ziemlich früh ins Bett.

Da dies mein letzter Tagebucheintrag ist, sei zu sagen:
- Ich habe knapp beim Essensspruch-Wettdichten gegen Momo gewonnen.
- Rumänien ist "cool"
- die Großfahrt war "cool"

Stetson

22. Tag, Montag der 27. August 2001, Letzter Tag in Sighisoara

Nachdem wir am Vorabend doch recht früh ins Bett gegangen waren, konnten wir doch mal ein Stündchen früher aufstehen. Es gab ausgiebiges Frühstück mit Kaffee. Wir begannen schon einmal zu packen und Pläne für den Nachmittag zu schmieden. Die letzten Wasservorräte mußten vernichtet werden, also wuschen und rasierten wir uns nochmal ausgiebig. Also noch ein letztes Mal in aller Ruhe Kohte abbauen und packen. Den Abschlußkreis machten wir auf diesem wunderschönen Platz mit Blick auf Sighisoara. Ein letztes Mal gingen wir den Hügel herunter, fotografierten uns auf dem Weg noch einmal und erreichten schließlich den Bahnhof. Dreimal wollten wir von hier aus in die Stadt zum Einkaufen. Zum einen für die Fahrt und zum anderen, um die letzten privaten Lei loszuwerden. Einige Geschäfte wurden dabei von uns mehrfach besucht. Insbesondere ein Geschäft mit Wurstwaren wurde drei- bis viermal zum Salamikauf besucht. Ich hatte mir vorgenommen, meine Wanderstiefel in Rumänien zu lassen. Also tauschte ich nach dem privaten und dem Gruppeneinkauf meine Stiefel gegen leichte Laufschuhe und stopfte die Stiefel in den nächsten Müllkorb. Kaum lagen sie 30 Sekunden drin, kam ein kleiner Romajunge, der auf dem Bahnhof sammelte und bettelte, und zog freudestrahlend über den Fund den ersten Stiefel aus dem Papierkorb, roch daran ... und brachte laut zum Ausdruck, daß der Geruch meiner 15 Jahre alten Stiefel, die die letzten drei Wochen ununterbrochen getragen wurden, nicht gefiel. Er wollte also sofort dieses Geruchserlebnis wieder loswerden, bekam aber den Stiefel nicht wieder hinein.... Der Rest des Abends verlief mit Warten auf den Zug und Abendessen im Zug. Der Zug war diesmal aus Österreich und hatte ein Fenster, welches gegenüber dem ersten Österreicher echte Frischluft spendete und uns so vor dem Erstickungstod bewahrte. Im Zug mußten wir erstmal unser Abteil freikämpfen. Das dort sitzende österreichische Paar ignorierte uns erst und behauptete dann selber reserviert zu haben. Auch später stiegen Leute zu, die meinten, sie hätte in unserem Abteil reservierte Plätze. Dies war entweder dem Unvermögen der Reisenden zuzuschreiben oder dem Reservierungssystem der Rumänen. Irgendwie versuchten wir uns dann im engen Abteil zu arrangieren und zu dösen, wobei Torf jedesmal nachdem er die Augen geschlossen hatte, seinen Schnarchgesang ertönen ließ.

Bongo

23. Tag, Dienstag, 28. August 2001, Der dreiundzwanzigste im Wagen 5

00:00 Uhr, Rumänien. Dies ist wahrscheinlich der erste Tag, der einem vollständigen Eintrag im Tagebuch gerecht wird. Auch wenn wir in einem komfortablen Sechserabteil (anstatt in einer komischen rumänischen Erfindung mit 8 Sitzen pro Abteil) untergebracht waren, war es nicht wirklich bequem und ich konnte nicht schlafen. Deshalb beginnt dieser Tagebucheintrag auch um 00:00 Uhr! Bis auf Torfs Geschnarche und dem viel zu engen Fußraum des Abteils gibt es aber eigentlich wenig sensationelles zu berichten. Außer das übliche Grenzprozedere natürlich. Vier mal Farscheinkontrolle, rumänischer Grenzbeamter (Ausreise), ungarischer Grenzbeamter (Einreise), ungarischer Grenzbeamter (Ausreise), österreichischer Grenzbeamter (Einreise). Also kurz gesagt: die üblichen Minimalanforderungen, oder so ähnlich. Vorletzter übrigens erklärte sich nur ungern mit meinem etwas in Mitleidenschaft gezogenen Reisepaßphoto einverstanden. Aber nach Zustimmung seines Kollegen und unter Zuhilfenahme des Personalausweises ließ sich auch dieses Problem regeln. 09:00 Uhr Wien. Gähn!!! Mit nur halb geöffneten Augen nehme ich schemenhaft die Konturen des Wiener Westbahnhofs wahr. 10:16 Uhr: Unser ICE (Prinz Eugen) verläßt den Wien-Westbahnhof. Wenn auch etwas mühsam, ließ sich das Gepäck gut verstauen, die Sitze sind deutlich bequemer. Wir frühstücken ausgiebig. Schon nach 10 Minuten läßt sich erahnen: die durchschnittliche Fahrkartenkontrollfrequenz kann durchaus mit rumänischen Verhältnissen konkurrieren, aber egal. Die Nacht war übrigens für die meisten von uns ziemlich kurz. Erst in Nürnberg sind wir halbwegs ausgeschlafen. Aber die Fahrt ist immer noch lang genug, um einen Haufen Peanuts, eine Tüte Waffeln und einiges andere zu vertilgen. Wir verließen soeben Fulda. Voraussichtliche Geschehnisse: 2,5 Stunden Bahnfahrt, noch mindestens eine deftige Brotzeit und jede Menge Blödsinn zur Aufheiterung. So, das war's! Finale!

J.B.